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N° 042 EXP

Schweizerische Landesausstellung EXPO027

Offener Ideenwettbewerb 2014, 1. Nachrücker

Auftraggeber: Kantone Thurgau, St. Gallen, Appenzell

Raumplanung: ERR Raumplaner AG


neue mythen: ein land ohne vergangenheit ist wie ein baum ohne wurzel, bei jedem gröberen sturm droht er umzukippen. ein land ohne zukunft ist wie ein vertrocknender see, die hoffnung verdunstet schneller als der zufluss an neuem leben. ein land ohne gegenwart ist wie das schlossgespenst einer längst verwitterten burg, ein irrlicht im meer der zeit. doch ein land ohne träume ist wie ein stein in der wüste, er verdurstet. mythen sind die träume der vergangenheit, anweisungen für die gegenwart und wegweiser in die zukunft. die relativierung, die veralberung und abschaffung der alten schweizer mythen war notwendig und richtig. das problem ist nur, dass keine neuen mythen entstanden sind, um ihren platz einzunehmen. und dass eine nation nach dem verschwinden ihrer sinnstiftenden werte aus der demokratischen gesellschaft, ohne ihre mythen also, blind wird für ihren weg. das ziel dieser expo in der ostschweiz soll es also sein, neue mythen zu suchen, neue gültige geschichten für die vergangenheit zu finden, um wieder einen gangbaren weg in die zukunft sehen zu können. neue mythen bedeutet, neue erzählungen zu finden für eine heutige schweiz, gültige bilder für eine kleine nation in einer post-nationalen zeit, einer globalisierten welt. zeitlose visionen unserer geschichte und geschichten aus der zukunft, das sind die neuen mythen unserer gegenwart. die expo.027 soll stattfinden an drei exemplarisch verschiedenen standorten in den drei trägerkantonen, mit je deutlich unterschiedlichem ambiente und einem klar definierten, und doch weit gefasstem thema. die drei standorte machen drei grundlegende landschaften der schweiz erlebbar - "berg" "stadt" "see" - greifen sie in ihrer jeweiligen architektursprache auf und nehmen auch thematisch in der art ihrer ausstellungen bezug darauf. die expo "neue mythen" ist gleichzeitig auch eine zusammenfassung der letzten drei schweizer expos: die landi '39 war die damalige neukonstruktion einer gemeinsamen vergangenheit, expo '64 in lausanne ein optimistischer blick in eine gloriose zukunft und die expo '02 ein vielleicht etwas esoterisches aufgreifen der nicht fassbaren gegenwart. all dies zusammen ist diese expo.027 gleichzeitig - mit radikal geändertem vorzeichen und mit stark erweitertem blickfeld über grenzen und zeiten hinaus. weniger eine blosse selbstdarstellung soll diese expo sein, als ein grosses fest des suchens, des ausser-sich-seins. falsche gewissheiten zu hinterfragen und das eingeständnis tiefster verunsicherung sind die voraussetzungen für veränderung. die expo.027 könnte hier eingreifen, um die vergangenheit neu zu erfinden, die gegenwart neu zu suchen im lärm des aktuellen und die zukunft neu zu ordnen und überhaupt zu sehen im weltall des möglichen.