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N° iAT

nicht ganz dicht – ArchitekturTag 2017

Ideenforum, 2017

Auftraggeber: Architekturforum Winterthur


Wenn's ans Verdichten geht, dann denken die meisten Menschen - und auch Architekten, die ja technisch gesehen auch so etwas wie Menschen sind - in die Höhe. Die Realität ist aber oftmals anders. Man muss nicht den Sigmund studieren, um zu wissen: Alles, wann immer sich das Selbstbild, das Ideal, nicht mit den realen Tatsachen in Deckung bringen lässt, wächst ins Unterbewusste, in den Untergrund. Und die Schweiz ist ja wahrscheinlich Weltmeister in dieser Disziplin. Alle ihre grössten und teuersten Bauwerke sieht man nicht. Alle ihre Meisterleistungen sind verbuddelt, eingegraben, verlocht und still. All die Tunnels, Tiefgaragen, Bunker, Flüsterbeläge, Tresore, Offshore-Konstrukte. Alles solide, dokumentiert, vorhanden. Aber unsichtbar. Die Schweiz ist eine Grossstadt, aber sie sieht sich als Dorf. Kein Wunder also, diese Divergenzen, diese Fehlsichtigkeiten, diese Beschäftigung mit Schattenwürfen. Der Mensch, im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, braucht nicht mehr 'Licht, Luft und Sonne'. Er braucht ein Lichtkonzept. Ein Lüftungskonzept. Und einen verdammt grossen Bildschirm. Architekten möchten in die Höhe. Wir aber wissen: der Mensch, er braucht Erdwärme, und nicht bloss Sonden. Und er braucht Illusionen. Lieber eine schöne falsche Aussicht, als eine richtig verschissene. Lieber mechanisch kontrollierte saubere Luft als natürlich verschmutzte. Lieber Chat mit virtuellen Freunden als Streit mit den realen Nachbarn. Lieber ein Leben 90 Meter im Untergrund als 30 Minuten in der Agglo. Lieber ein Potemkinsches Dorf als Gopfridstutz eine richtige Grossstadt. Darum sagen wir: Erdet euch! Dichtet unterirdisch! (Und natürlich:) Seeblick für Alle!